Geistige Gesundheit

Die 8 psychologischen Vor- und Nachteile von CrossFit

CrossFit ist die Schöpfung von Gymnast Greg Glassman, der 1995 das erste Fitnessstudio dafür eröffnete. 2000 war sein Programm bereits in ganz Nordamerika bekannt und heutzutage ist es eine der beliebtesten Sportarten seit der Erfindung des Joggens. Das Programm konzentriert sich auf Stärke, umfasst aber sämtliche Fitnesskomponenten: Kraft, Stärke, Ausdauer, Flexibilität, Geschwindigkeit, Agilität, kardiorespiratorische Stärke und Ausdauer, Koordination und Gleichgewicht. Mit hohem Tempo bewegt man sich hier von einer Station zur nächsten, wobei man rasch ins Schwitzen gerät und aufgrund der Intensität anschließend fast zittert. CrossFit als beliebtes Sportprogramm zu bezeichnen ist eine Untertreibung – die CrossFits Sportkultur hat eine „kompromisslose“ Geisteshaltung in puncto Fitness losgetreten, die anziehend auf einige wirkt und furchterregend für andere ist.

Obwohl es zahlreiche Berichte zu den Vor- und Nachteilen von CrossFit im Zusammenhang mit seinen körperlichen Vorzügen und möglichen Verletzungen gibt, hat sich bislang kaum einer den psychologischen Folgen des Programms gewidmet. Wenn wir also CrossFit mit den Grundlagen der Sportpsychologie betrachten, welche Vor- und Nachteile ergeben sich dann?

1. Vorteil: CrossFit gibt einem das Gefühl von Macht und Kontrolle über seinen Körper

„Beherrschen“ kann als Kontrolle, Macht oder Können in Bezug auf eine Aufgabe oder Reihe von Aufgaben beschrieben werden. Indem man das Gefühl bekommt etwas zu beherrschen, wird man automatisch motiviert, die Aufgabe fortzusetzen. CrossFit bietet den Beteiligten damit die Gelegenheit, bestimmte körperliche Fähigkeiten zu entwickeln, die benötigt werden um das Fitnessprogramm zu bewältigen.

Die Vorteile der Motivation durch Beherrschung sind unter anderem ein erhöhter Grad an Selbstvertrauen, wenn gleichzeitig soziale Unterstützung sowie Ermunterung durch den Trainer erfolgt. Zusätzlich spielen Erfolgserlebnisse und physische sowie technische Verbesserung eine Rolle beim Festhalten am Programm.

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2. Nachteil: CrossFit kann bestimmte Sportler anziehen

Auch wenn die Sportwissenschaft noch keine „Sportlerpersönlichkeit“ definiert hat, so gibt es bestimmte Persönlichkeitstypen, die von extremen Fitnessprogrammen wie CrossFit angezogen werden. Wenn man die Rolle eines negativen Körperbildes auf die Entwicklung von Ess- und Sportstörungen in Betracht zieht, dann führen Probleme mit der eigenen Erscheinung sowie Zwangsneurosen und Perfektionismus bei manchen Menschen schnell dazu, den „perfekten“ Körper anzustreben, so wie er durch Fotos und andere CrossFit-Medien definiert wird.

Perfektionismus, Sportmissbrauch und zwanghaftes Verhalten können die Teilnahme an einem CrossFit-Programm oder anderen extremen Sportprogrammen beeinflussen. Zusätzlich ist es dank der spezifischen Terminologie des Programms, die die Konsequenzen von Überanstrengung beschreibt (z.B. Pukie the Clown), leicht ersichtlich, warum sich bestimmte Persönlichkeiten dazu eher hingezogen fühlen als andere. Extrem-Fitness-Programme wie CrossFit bieten eine sichere und urteilsfreie Umgebung für diejenigen, die ihre Störungen und Zwänge im Zusammenhang mit Körper und Sport verfolgen.

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3. Vorteile: CrossFit kann mentales Durchhaltevermögen stärken

„Mentales Durchhaltevermögen“ ist ein Begriff, der die Fähigkeit bezeichnet, hohe geistige Leistung in so ziemlich jeder Lage zu bringen. Mentales Durchhaltevermögen erlaubt einer Person daher, schwierige Situationen ohne Leistungsabfall zu überstehen. Mike Hughes, ein Spezialist für Leistungssteigerungen innerhalb der US-Navy, stellt klar, dass die Überzeugungen des Athleten die sportliche Leistung direkt beeinflussen. Indem negative Gedanken durch Training herausgefordert werden, steigt die Leistung, schwinden Ängste und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten wird gestärkt.

CrossFit ist aufgrund seines rigorosen Trainings in der Lage, das mentale Durchhaltevermögen des Sportlers zu verbessern, indem es gefestigte negative Wahrnehmungen in Bezug auf die eigene Leistungsfähigkeit durch Erfolge beim Workout beseitigt. Das Ergebnis ist, dass die positiven Erlebnisse beim Sport auf das echte Leben übertragen werden und dem Sportler helfen, alltägliche Herausforderungen zu meistern.

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4. Nachteil: CrossFit kann die Entwicklung von Sport- und Essverhalten negativ beeinflussen

Nicht nur CrossFit, sondern jedes extreme Sportprogramm, das seine Vorteile mittels Bildern spärlich bekleideter Männer und Frauen mit Six-Packs und wenig Körperfett anpreisen, verstärkt unterschwellige Probleme im Zusammenhang mit dem eigenen Körperbild. Obwohl in den Medien viel über die inklusive Natur von CrossFit berichtet wurde und der Fokus auf Stärke und Ausdauer und nicht auf Gewichtsverlust liegt, so überschattet auch hier der Schönheitswahn eindeutig die Myriaden an Fotos und persönlicher Erfolgsgeschichten von CrossFit-Anhängern.

Sportsucht ist ein weiteres Problem, das Geist und Körper zu schaden vermag. Dabei kann es den arglosesten Anfänger treffen, sobald dieser einmal die Freude am Gewichtsverlust oder der Vergrößerung des Bizepses gefunden hat. Wenn bereits ein wenig Sport solche Erfolge erzielt, was kann dann erst durch viel Sport erreicht werden? Sind wir genervt oder angespannt angesichts eines verpassten Trainings oder bestehen auf Sport trotz Verletzungen, so ist es vielleicht an der Zeit, einen Gang herunterzuschalten und darüber nachzudenken, ob nicht eine gesunde Veränderung notwendig ist.

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5. Vorteil: CrossFit kann die geistige Gesundheit verbessern

In einer Untersuchung männlicher Gesundheit waren die Ergebnisse hinsichtlich Sports als Behandlung und Präventivmaßnahme zahlreicher Gesundheitsprobleme eindeutig. Angefangen bei der Steigerung des Selbstwertgefühls und verbesserter Stimmung, bis hin zur Beseitigung von Ängsten, Depressionen und Stress hat sich Sport als hervorragendes Instrument erwiesen, um sowohl die geistige Gesundheit als auch generell die Lebensqualität zu bessern.

Betrachtet man Sport als Medizin, was gilt dann als empfohlene Dosis? Medizinische Studien ergaben, dass 30 Minuten an fünf Tagen der Woche ausreichend sind, um die geistige Gesundheit nachhaltig zu verbessern. Auch wenn CrossFit nicht für totale Anfänger empfohlen wird, so sei doch darauf hingewiesen, dass regelmäßiges Cardio- und Krafttraining nicht nur den Körper, sondern auch den Geist stärkt.

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6. Con: Durch CrossFit kann man die Lust am Sport verlieren

Die menschliche Natur ist wahrscheinlich verantwortlich dafür, dass wir uns kopfüber in ein Trainingsprogramm stürzen, nur um am Ende des Monats bereits völlig erschöpft aufzugeben. So manch einer holt sich Sportverletzungen, da er sich für extreme Trainingseinheiten nicht ausreichend vorbereitet. Andere wiederum werden sich wundern, dass sie in den ersten Wochen nach Trainingsbeginn nicht mal mehr die Arme zum Zähneputzen hochkriegen. Schmerzen und Leid als erste Erfahrung können Anfänger daher schnell dem Sport den Rücken kehren und nie wieder ein Fitnessstudio betreten lassen.

Falls Sie darüber nachdenken, beim CrossFit mitzumachen, dann ist es wichtig, dass Sie verstehen wie Sie sich darauf vorbereiten müssen. Die Fähigkeit z.B. eine Kniebeuge korrekt auszuführen oder richtig zu heben ist essentiell, um sich vor Verletzungen zu schützen. Zu wissen, dass ein CrossFit-Kurswahrscheinlich laut ist und ein hohes Tempo hat, wird Neueinsteiger wahrscheinlich besser durch den ersten Tag bringen. Nehmen Sie sich die Zeit, um sich auf CrossFit ausreichend vorzubereiten und die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dabei bleiben, anstatt ganz schnell wieder weg zu laufen (oder zu humpeln), steigt um ein Vielfaches.

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7. Pro: CrossFit kann zu lebenslangen Freundschaften führen

John Lennon sagte einmal, dass er mit ein wenig Hilfe seiner Freunde über die Runden kam. Angesichts der Gruppenatmosphäre bei CrossFit könnte man meinen, dass sich gerade bei diesem Sport mit der Zeit Freundschaften entwickeln sollten. Soziale Unterstützung ist einer der wichtigste Faktoren, wenn es um Konsequenz und Leistung beim Sport geht. Wenn Menschen eine anspruchsvolle und anstrengende Erfahrung teilen, dann neigen sie dazu, näher zusammenzuwachen. Darüber hinaus bilden sich bei Gruppensport eher Freundschaften, als bei individuellem Training.

Gesundheitsforscher haben wiederholt betont, wie wichtig die Rolle sozialer Beziehungen in Verbindung mit der allgemeinen Gesundheit ist. Menschen, die eher isoliert leben und arbeiten, profitieren dabei am meisten von gemeinsamem Training. Nicht nur, dass ein Sportfreund oder eine Sportfreundin somit das Immunsystem stärkt und den Stress reduziert, er oder sie helfen uns auch damit am Ball zu bleiben.

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8. Con: CrossFit kann existierende Beziehungen schädigen

Während sich bei CrossFit-Kursen oftmals Freundschaften bilden, können Beziehungen außerhalb des Sports darunter leiden. Tatsache ist, dass Menschen mit gleichen Interessen zusammenbleiben und diejenigen, die weniger Begeisterung für Sport (ganz zu schweigen von der Intensität von CrossFit) aufweisen, mit CrossFit-Fans seltener Vorlieb nehmen dürften. Ein Neueinsteiger bei CrossFit wird sich unter Umständen eher geneigt fühlen, mit seiner neuen Fitnessgruppe Zeit zu verbringen, als mit seinem bisherigen sozialen Netzwerk. Mit der Zeit werden dadurch alte Beziehungen durch neue (und aktivere) ersetzt.

Eine US-Studie untersuchte den Effekt von Gruppen auf Fettleibigkeit. Dabei fanden die Forscher heraus, dass unsere sozialen Beziehungen unseren Gesundheitszustand beeinflussen. Die Forscher konnten somit das Risiko von Übergewicht anhand des Übergewichts des sozialen Netzwerks des oder der Betroffenen vorhersagen. Im anderen Fall war es wahrscheinlicher, dass eine Person sich fit hielt, wenn der Bekannten- und Freundeskreis ebenfalls auf Sportlichkeit achtete. Daher würde es Sinn machen, dass, wenn unser sozialer Umgang aus CrossFittern besteht, ehemalige Beziehungen aufgrund unseres neuen Interesses an Fitness langsam aber sicher auseinandergehen.

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