Fitness & Ernährung

10 Gründe, warum es bei Fettleibigkeit NICHT um Fressgier und Faulheit geht

Es besteht fortwährend der Glaube in unserer Gesellschaft, dass Fettleibigkeit das einfache Produkt aus zu viel Essen und zu wenig Sport (wenn überhaupt) ist. Leider zeigen viele Leute immer noch mit dem Finger auf fettleibige Menschen, ohne dabei die wahren Fakten hinter der Fettleibigkeit zu kennen. Von der Erfahrung verbalen Missbrauchs von Fremden auf der Straße und der chronischen Verurteilung bis hin zu der Verinnerlichung der negativen Nachrichten in Form von Schamgefühl, Selbsthass und –ekel, Menschen, die fettleibig sind, leiden an einer Vielzahl körperlicher und geistiger Gesundheitsprobleme. Beschimpfungen und Verurteilungen haben diese „Epidemie“ der Fettleibigkeit nicht aufhalten können, was kann das also?

Vielleicht ist das Verständnis aller Faktoren, die mit Fettleibigkeit zusammenhängen, ein guter Anfang…

1. Das obesigene Umfeld

Der Begriff „obesigenes Umfeld“ steht in Zusammenhang mit den Einflüssen des Umfelds einer Person auf die körperliche Aktivität und das Essverhalten. Wenn wir zum Beispiel in einer Gegend ohne Bürgersteige oder sichere Gehwege wohnen, gepaart mit einem schlechten Zugang zu frischem Obst und Gemüse, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass unsere Fettleibigkeitsrate größer ist als die eines Viertels mit sicheren Gehwegen und Zugang zu gesunden Lebensmitteln.

Das heißt nicht, dass das Umfeld der einzige Grund für Fettleibigkeit ist, aber es ist ein Faktor, der berücksichtigt werden muss, wenn man den Grund für Fettleibigkeit untersucht. Menschen, die in Gegenden wohnen, in denen Fast Food und Autofahren anstatt Gehen gefördert wird, haben es schwerer die Verhaltensänderungen zu schaffen, die letztendlich zur Gewichtsabnahme führen.

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2. Die Schönheitskultur

Es sollte keine Überraschung sein, dass unsere Kultur eine entscheidende Rolle bei der Fettleibigkeits-„Epidemie“ der letzten Jahre gespielt hat. Der Glaube, dass man, um schön zu sein, dünn und fit, oder athletisch und muskulös sein muss, hat die geistige und körperliche Gesundheit von Männern und Frauen über Jahre beeinflusst. Leider ist das Schönheitsideal für die Mehrheit der Bevölkerung unerreichbar, jedoch geht der Drang nach Perfektion immer noch weiter.

Jahre der ungesunden und der Mangelernährung haben mit der Zeit zu einem großen Teil der Gewichtszunahme geführt. Dennoch beginnt der Kreislauf des Ab- und Zunehmens immer wieder von vorne, in der Hoffnung, dass die nächste Diät oder Pille die letzte sein wird. Der Glaube unserer Kultur hat Selbstaushungerung, Sportmissbrauch und andere Essstörungen gefördert. In Wirklichkeit dient es nur denjenigen, die damit Geld verdienen.

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3. Geistige Gesundheit

Ein weiterer Faktor, der einen großen Einfluss auf Fettleibigkeit hat, ist die geistige Gesundheit. Von Depressionen und Angstzuständen, bis hin zu chronischem Stress und vergangenen Traumata, Fettleibigkeit kann auch der geistigen Gesundheit einer Person zugeschrieben werden. Gewichtszunahme kann das Resultat emotionalen Essens als Bewältigungsmittel oder das Ergebnis einer Medikamenteneinnahme zur Verbesserung der geistigen Gesundheit (wie Antidepressiva) sein.

Der Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und geistiger Gesundheit ist so stark, dass das Canadian Obesity Network vorgeschlagen hat, dass Menschen mit Fettleibigkeitsproblemen auf geistige Krankheiten untersucht werden sollten, bevor sie mit einem Abnehmprogramm beginnen.

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4. Die Gene

Die Forschung deutet zwar darauf hin, dass die Gene aufgrund von Störungen, wie dem Prader-Willi-Syndrom (eine Genstörung, die lebensbedrohliche Fettleibigkeit bei Kindern verursacht) zu Fettleibigkeit führen können, aber die Gene sagen Fettleibigkeit nicht langfristig voraus. Die Kombination aus anderen Faktoren in Zusammenhang mit der genetischen Veranlagung kann als besserer Indikator (oder Ursache) für Gewichtsprobleme dienen.

Die Forschungsarbeiten über Fettleibigkeit der Université Laval weisen darauf hin, dass die Identifizierung solcher Gene hilfreich sein kann, risikobehaftete Personen zu identifizieren sowie der gesunden Ernährung und der körperlichen Aktivität (neben vielen anderen Faktoren, die zu Fettleibigkeit beitragen können) mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

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5. Soziale Netzwerke

Es ist ein Fakt, dass uns die Unterstützung von Freunden und Familie bei gesundheitlichen Veränderungen dabei hilft, länger dranzubleiben. Die American Psychological Association unterstützt dies und gibt an, dass diejenigen, die mit einem positiven und unterstützenden Netzwerk abnehmen, das Gewicht länger halten, als Leute ohne diese Unterstützung.

Zudem spielen soziale Einflüsse eine Rolle bei unserem Gesundheitsverhalten inklusive dem Essen, dem Abnehmen, oder dem Zunehmen. An der Aussage, dass man so ist, wie die Menschen in seinem Umfeld, ist etwas Wahres dran. Wenn jemand wünscht gesunde Veränderungen in seinem Ess-, Sport und anderem Verhalten vorzunehmen, dann ist der erste Schritt vielleicht, sich von negativen sozialen Einflüssen zu trennen.

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6. Essensabhängigkeit

Als Weg, um mit unangenehmen Gefühlen und Situationen im Leben fertigzuwerden, greifen viele Menschen zu Alkohol, Drogen, Einkaufen, Spielen oder so etwas ähnlichem. Für Viele verhält es sich mit dem Essen ähnlich. Egal ob wir mit Einsamkeit, Depressionen, oder jeglichen anderen mentalen Herausforderungen zu kämpfen haben, wir können Essen dazu verwenden, um uns zu beruhigen. Das Ergebnis ist Gewichtszunahme und mit der Zeit potenzielle Fettleibigkeit.

Forscher verstehen nun die Einflüsse bestimmter Lebensmittel auf das Gehirn. Hirnstudien haben sogar gezeigt, dass beim Konsum von Zucker dasselbe Genusszentrum im Gehirn angeregt wird, wie bei der Einnahme von Kokain oder Heroin. Genauso wie Drogen süchtig machen, kommt man auch schwer vom Zucker weg. Je mehr man isst, desto größer ist das Verlangen danach, und wie bei Drogen und Alkohol braucht man mehr davon, um genauso High wie am Anfang zu werden.

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7. Mangel an Bewusstsein

Bei all den verschiedenen Informationen darüber, wie man essen und Sporttreiben soll und wie man Fett verlieren kann, ist es kein Wunder, dass sich die meisten von uns verwirrt am Kopf kratzen. Eine Mutter mag glauben, dass Orangensaft gesünder ist als Limonade, nur um dann herauszufinden, dass in beiden Getränken enorm viel Zucker enthalten ist. Selbst wenn man sich das Etikett mit der Nährwerttabelle ansieht, wird man von Portionsgrößen, Messwerten und Zutaten, die man nicht aussprechen kann, in die Irre geführt.

Über die letzten Jahrzehnte glaubte man, dass eine Ernährung arm an Fett und reich an raffinierten Kohlenhydraten gesund sei. Erst vor ein paar Jahren wurde diese Meinung angezweifelt. Leider sieht es so aus als hätte unsere Liebesaffäre mit Kohlenhydraten ihre Spuren auf unseren Taillen hinterlassen.

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8. Familieneinkommen

Wenn in vielen Fällen die Limonade billiger ist als das Wasser, dann braucht es keinen Raketenwissenschaftler, um den Zusammenhang zwischen Einkommen und Fettleibigkeit zu verstehen. Das Zentrum für Krankheitskontrolle berichtete, dass Leute mit einem geringeren Einkommensniveau eine höhere Fettleibigkeitsrate aufwiesen. Dr. Jim Levine, ein Forscher an der Mayo Klinik, hat die Beziehung zwischen Armut und Fettleibigkeit untersucht und bemerkt, dass ein schwerer Zugang zu bezahlbaren, gesunden Lebensmitteln in Verbindung mit einem Umfeld, das einen sitzenden Lebensstil fördert, zu den Fettleibigkeitsraten beiträgt.

Leider ist mit der wachsenden Lücke zwischen Arm und Reich sowie den billigen Lebensmitteln, die viel Salz, Zucker und Fett enthalten, und unzugänglichen frischen, gesunden Lebensmitteln bald ein Anstieg des Übergewichts und der Fettleibigkeit (in den damit in Zusammenhang stehenden Krankheiten) in unserer Gesellschaft zu erwarten.

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9. Chemikalien in der Umwelt

Einer der jüngsten Befunde der Adipositasforschung zeigt den Einfluss von Chemikalien in unserer Umwelt auf die Fettleibigkeit und die allgemeine Gesundheit. Bruce Blumberg, ein stellvertretender Professor für Entwicklungs- und Zellbiologie an der University of California, Irvine, erklärt, dass der Kontakt mit hormonverändernden Chemikalien vor der Geburt den Stoffwechsel von Tieren durcheinanderbringt, was zu steigendem Gewicht mit der Zeit führt. Dr. Blumberg nennt noch zwei Chemikalien, die Hormone verändern können, Bisphenol A (wird in Plastik verwendet) und Tributyltin (wird in grüner Farbe an Schiffen verwendet).

Neben den Veränderungen des Stoffwechsels finden Forscher heraus, dass die Größe und Zahl der Fettzellen bei Tieren, die mit Chemikalien in Kontakt kommen, mit der Zeit wachsen. Die Studien über die Auswirkungen von Chemikalien aus der Umwelt auf die Fettleibigkeitsrate stehen zwar erst am Anfang, aber es ist wichtig, die jüngsten Befunde zu bestimmten Chemikalien anzumerken.

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10. Schamgefühl

Wir haben zwar schon den psychologischen Teil, der Fettleibigkeit beeinflusst, angesprochen, aber die Verinnerlichung der Fettphobie der Gesellschafft richtet den größten Schaden an. Die Vorverurteilung dicker Menschen in unserer Kultur hat zerstörerische Auswirkungen auf alle Aspekte der Gesundheit innerhalt der fettleibigen Bevölkerung. Von Mediennachrichten bis hin zu Briefen im Internet an die „Lieben fetten Leute“, einer fettleibigen Person wird jeden Tag im Leben mit Spott, Verurteilung, Hass, Ekel und Mitleid begegnet.

Das Stigma und die Furcht vor Fett zeigt sich darin, wie wir über Essen, Sport und unsere Körper reden. Es dringt in die Schulen unserer Kinder ein und macht Jagd auf unser Selbstwertgefühl. Es ist der Grund von Ess- und Sportstörungen und kann zu Mobbing führen, das in Selbstverletzung und Suizid enden kann. Wir brauchen dringend einen Paradigmenwechsel, wenn wir positive Veränderungen in den Gesundheits- und Fettleibigkeitsstatistiken sehen wollen. Verurteilung, Vorwürfe und Beleidigungen funktionieren nicht.

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