Herz & Kreislauf

10 Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Schlaganfälle sind eine der führenden Ursachen in Deutschland, die zum Tod oder zu Behinderung führen. Es ist ein medizinischer Notfall. Forscher schätzen die Zahl der Schlaganfälle in Deutschland auf ca. 500.000 pro Jahr, von denen ungefähr 20 Prozent innerhalb von 30 Tagen tödlich enden. Die zwei Arten von Schlaganfällen sind der ischämische Hirninfarkt und der hämorrhagische Infarkt. Die häufigste Art ist der Ischämische (85 Prozent) und tritt auf, wenn eine Arterie, die das sauerstoffreiche Blut zum Gehirn transportiert, von einem Blutgerinnsel verstopft wird. Hämorrhagische Schlaganfälle treten auf, wenn eine Arterie im Gehirn aufreißt und Blut ausströmt, was Gehirnzellen durch den Druck beschädigt.

Zehn Risikofaktoren für Schlaganfälle sind …

1. Vorheriger Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke

Wenn man bereits einen Schlaganfall hatte, ist das Risiko größer, erneut einen zu erleiden. Die National Stroke Association schätzt, dass mindestens 25 bis 35 Prozent der Amerikaner, die bereits einen Schlafanfäll erlitten haben, im Laufe ihres Lebens erneut einen erleiden werden. Innerhalb von 5 Jahren nach dem erstmaligen Schlaganfall ist das Risiko eines erneuten Schlaganfalls um 40 Prozent erhöht. Innerhalb dieser fünf Jahre bekommen 24 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer einen erneuten Schlaganfall.

Bei einer transitorischen ischämischen Attacke, auch als Mini-Schlaganfall bezeichnet, treten die gleichen Symptome wie bei einem Schlaganfall auf, aber die Symptome verschwinden innerhalb von Minuten bis Stunden (für gewöhnlich weniger als 24 Stunden) wieder. Unter den Symptomen können Schwächegefühl, Artikulationsprobleme, Probleme mit dem Sehvermögen, Kopfschmerzen und Schwindel auftreten. TIA ist ein medizinischer Notfall, da Betroffene dadurch ein erhöhtes Schlaganfallrisiko aufweisen. Laut der National Stroke Association werden 40 Prozent der Leute, die eine TIA haben, einen richtigen Schlaganfall bekommen. Knapp 50 Prozent aller Schlaganfälle treten innerhalb weniger Tage nach einer TIA auf.

2. Bluthochdruck

Hypertonie, auch bekannt als Bluthochdruck, ist ein großer Risikofaktor für einen Schlaganfall. In Deutschland leiden Berichten zufolge 9 Millionen Menschen an Bluthochdruck. Wenn ein Mensch älter als 60 Jahre ist, wird Hypertonie so definiert, wenn der Blutdruck höher als 150/90 mm Hg ist. Ein Mensch, der jünger als 60 Jahre ist, leidet bei einem Blutdruck über 140/90 mm Hg an Hypertonie. Ein Artikel, der in den Archives of Internal Medicine veröffentlicht wurde, berichtet, dass weniger als 30 Prozent der behandelten Patienten einen Blutdruck unter 140/90 mm Hg aufweisen.

Bluthochdruck ist der häufigste und behandelbarste Risikofaktor für einen Schlaganfall. Die Behandlung von Hypertonie reduziert das Risiko eines Schlaganfalls. Ein Artikel, der im Lancet Journal veröffentlicht wurde, berichtet, dass ein Absenken des diastolischen Blutdrucks um 5 bis 6 mm Hg das Risiko eines Schlaganfalls um 42 Prozent senkt. Das Systolic Hypertension in the Elderly Programm (SHEP) zeigt, dass die Behandlung von isolierter systolischer Hypertonie bei älteren Menschen das Risiko eines Schlaganfalls um 36 Prozent senkt.

3. Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt ist ein großer Risikofaktor für einen Schlaganfall. Es steht direkt in Zusammenhang und wird verursacht durch Atherosklerose, was die Verkalkung der Arterien durch Cholesterin-ähnlichen Plaque bedeutet. Ein Artikel, der im Chest Journal veröffentlicht wurde, berichtet, dass die Häufigkeit eines ischämischen Hirninfarkts nach einem Herzinfarkt bei ungefähr 1 bis 2 Prozent pro Jahr liegt. Eine israelische klinische Studie schlussfolgerte, dass das Risiko eines Schlaganfalls in den ersten Monaten nach einem Herzinfarkt am größten ist (31 Prozent).

Behandlungen, um einen Schlaganfall nach einem Herzinfarkt zu verhindern, sind Antikoagulanzien (Blutverdünner) und Medikamente, welche die Verklumpung der Blutplättchen hemmen. Das orale Antikoagulans Warfarin (Coumadin) wird bei Menschen mit fortwährendem Vorhofflimmern, verringerter linker Ventrikulärfunktion, oder einem linken ventrikulären Blutgerinnsel nach einem Herzinfarkt empfohlen. Eine Studie, die vom American College of Physicians durchgeführt wurde, berichtete eine Abnahme der Schlaganfälle nach einem Herzinfarkt um ungefähr 1 Prozent pro Jahr mit Warfarin. Ein Artikel, veröffentlicht in den Annals of Internal Medicine mit den gleichen Richtlinien, empfiehlt Aspirin, um das Risiko eines Schlaganfalls nach einem Herzinfarkt um ungefähr 30 Prozent zu reduzieren.

4. Diabetes

Diabetes ist eine der häufigsten Diagnosen in der Medizin und gilt als Risikofaktor für Schlaganfälle. Es gibt zwei Arten von Diabetes – Typ 1 und Typ 2. Bei Typ 1 Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin. Insulin ist ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel reduziert. Bei Typ 2 Diabetes ist das Gewebe des Körpers gegen die Wirkung des Insulins resistent. Beide Typen führen zu einem hohen Blutzuckerspiegel bzw. Hyperglykämie.

Diabetes wird diagnostiziert, wenn der nüchterne Blutzuckerspiegel größer oder gleich 126 mg/dl ist. Menschen mit Diabetes leiden an einem erhöhten Risiko eines ischämischen Hirninfarkts. Die American Diabetes Association (ADA) berichtet, dass Menschen mit Diabetes 1,5 Mal wahrscheinlicher einen Schlaganfall bekommen als Nicht-Diabetiker. Diabetiker bekommen auch wahrscheinlicher Hypertonie und Hyperlipämie (hohe Cholesterinwerte), was das Schlaganfallrisiko weiter erhöht. Die United Kingdom Prospective Diabetes Study (UKPDS) demonstriert eine 25-prozentige Verringerung der Schlaganfälle bei intensiverer Blutzuckerkontrolle.

5. Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die das Schlaganfallrisiko erhöht. Es betrifft die obere Kammer des Herzens oder den Vorhof. Anstatt dass sich er sich effektiv zusammenzieht, zittert der Vorhof, was zu einem Blutstau und Verklumpung führen kann. Wenn sich ein Stück der Verklumpung löst, kann es eine Arterie im Gehirn verstopfen und den Blutfluss verhindern. Dieser Prozess wird als Ischämie bezeichnet. Wenn die Ischämie zu lange andauert, kann dies zu Nekrose, oder das Absterben von Zellen, im Gehirn führen.

Eine Studie, die in den Archives of Internal Medicine veröffentlicht wurde, zeigte, dass Menschen mit Vorhofflimmern eine doppelt so hohe Sterberate haben. Die Framingham Heart Study kalkulierte das Schlaganfallrisiko auf 5 Prozent pro Jahr bei Menschen mit nonvalvularem Vorhofflimmern. Eine Studie im Chest Journal zeigte, dass Menschen mit valvularem Vorhofflimmern ein noch höheres Schlaganfallrisiko aufweisen 17 Mal höher) als diejenigen ohne Vorhofflimmern.

6. Hyperlipidämie

Hyperlipidämie, oder ein erhöhter Cholesterinspiegel, ist ein anerkannter Risikofaktor für Schlaganfälle. Cholesterin ist eine wach- bzw. fettartige Substanz, die von der Leber hergestellt wird. Es wird auch über die Nahrung aufgenommen. Überschüssiges Cholesterin im Blut wird in den Wänden der Arterien abgelagert. Hyperlipämie bezeichnet speziell den erhöhten Gesamtcholesterinspiegel und Low Density Lipoprotein (LDL). LDL wird aufgrund seiner Rolle in der Bildung von Arthrose oft als schlechtes Cholesterin bezeichnet, was zu koronarer Herzkrankheit und einem ischämischen Hirninfarkt führen kann.

Statine sind eine Art Medikament, das für gewöhnlich zur Behandlung von Hyperlipidämie verwendet wird. Beispiele für Statine sind Atrovatatin (Lipitor), Rosuvastatin (Crestor), Pravastatin (Pravachol), Simvastatin (Zocor) und Fluvastatin (Lescol). Ein Wissenschaftlicher Bericht, der im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurde, zog den Schluss, dass die Behandlung von Hyperlipidämie mit Statinen zu einer 25-prozentigen Reduzierung des Risikos tödlicher und nicht tödlicher Schlaganfälle führt. Bei Personen mit hohem Risiko liegt der empfohlene LDL-Wert bei weniger als 100 mg/dl.

7. Karotisstenose

Karotisstenose ist ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle. Die Halsschlagader ist ein großes Blutgefäß im Hals, welche das Gehirn, den Hals und das Gesicht mit Blut versorgt. Es gibt eine rechte und eine linke Halsschlagader. Karotisstenose, oder die Verengung der Halsschlagader wird für gewöhnlich durch Atherosklerose verursacht (Verhärtung der Arterien mit Cholesterin-ähnlichem Plaque). Cholesterinplaque in der Halsschlagader kann sich lösen und in das Gehirn wandern, wo es einen Schlaganfall verursachen kann.

Das Risiko eines Schlaganfalls erhöht sich mit dem Grad der Karotisstenose, der durch Röntgen der Halsschlagader nach der Injektion eines Kontrastmittels bestimmt werden kann. In der Asymptomatic Carotid Atherosclerosis (ACAS) Studie wiesen Männer mit 60 bis 99 Prozent asymptomatischer Karotisstenose eine absolute Reduzierung der Schlaganfälle und Todesfälle von 66 Prozent auf, wenn sie mit Karotid-Endarterektomie behandelt wurden. Während dieses chirurgischen Eingriffs, öffnet ein Chirurg die Halsschlagader und entfernt den Cholesterinplaque.

8. Zigarettenrauchen

Forscher haben das Zigarettenrauchen als einen Risikofaktor für Schlaganfälle ausgemacht. Es führt zur direkten Schädigung des Herzens und der Blutgefäße. Das Nikotin in Zigaretten kann den Blutdruck erheblich erhöhen. Das Kohlenstoffmonoxid im Zigarettenrauch reduziert den Sauerstoff, der das Körpergewebe erreicht, inklusive dem Gehirn. Eine Studie, die im British Medical Journal veröffentlicht wurde, zeigte, dass das Schlaganfallrisiko bei starken Rauchern doppelt so hoch ist, als bei leichten Rauchern.

Passivrauchen kann ebenfalls das Herz-Kreislaufsystem schädigen und auch das Schlaganfallrisiko bei Nichtrauchern erhöhen. Die Verwendung von oralen Verhütungsmitteln, kombiniert mit Rauchen, erhöht das Schlaganfallrisiko enorm. Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Eine Studie, die in Family Practice veröffentlicht wurde, zeigte, dass der einmalige Rat eines Arztes bei einer Routineuntersuchung einen nennenswerten Einfluss auf die Aufgabe des Rauchens hatte. Eine klinische Studie, die im Journal oft he American Medical Association (JAMA) berichtet, dass das erhöhte Schlaganfallrisiko schon nach 5 Jahren ohne Rauchen verschwindet.

9. Exzessiver Alkoholkonsum

Exzessiver Alkoholkonsum kann das Schlaganfallrisiko erhöhen. Das United States Center for Disease Control and Prevention (CDC) berichtet, dass ein Standarddrink mit 14 Gramm reinem Alkohol gleichzusetzen ist. Diese Menge puren Alkohol findet man in 330 ml Bier (mit 5% Alkoholgehalt), 150 ml Wein (12% Alkoholgehalt) und 40 ml Schnaps (40% Alkoholgehalt), wie Gin, Rum, Vodka, oder Whisky).

Die Ernährungsrichtlinien definieren den moderaten Alkoholkonsum mit einem Drink pro Tag für Frauen und 2 Drinks pro Tag für Männer. Eine klinische Studie auf Hawaii hat einen direkten, dosierungsabhängigen Einfluss auf das Risiko eines hämorrhagischen Infarkts. Eine Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, stellt eine J-förmige Beziehung zwischen dem Alkoholkonsum und ischämischen Hirninfarkten vor, was einen schützenden Effekt bei leichten, oder moderaten Trinkern und ein erhöhtes Schlaganfallrisiko bei starken Trinkern zeigt.

10. Vererbung

Man spricht von Vererbung, wenn ein Familienmitglied bestimmte Eigenschaften von einer Generation an die nächste über die Gene weitergibt. Ein Gen ist die elementare physische und funktionelle Einheit der Vererbung. Gene, die aus DNA bestehen, liefern Bauanleitungen, um Moleküle, namens Proteine, herzustellen. Jedes Individuum hat zwei Kopien jedes Gens, eines von jedem Elternteil. Das Human Genome Project schätzt die Genzahl bei Menschen zwischen 20.000 und 25.000 Genen.

Das Schlaganfallrisiko einer Person ist größer, wenn ein Elternteil, Großeltern, Schwester oder Bruder einmal einen Schlaganfall erlitten. Forscher der Boston University fanden heraus, dass Kinder, deren Eltern vor einem Alter von65 Jahren einen Schlaganfall erlitten, mit höherer Wahrscheinlichkeit auch einen Schlaganfall bekommen. Als sie die traditionellen Risikofaktoren kontrollierten (wie Hypertonie, Diabetes, Rauchen und Herzinfarkt), wiesen die Forscher nach, dass die Studienteilnehmer ein doppelt so hohes Schlaganfallrisiko in jedem Alter hatten und ein 4 Mal so hohes Risiko einen Schlaganfall bis 65 Jahre zu bekommen.

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