Geistige Gesundheit

Sprechen wir über Depression …

Die Depression ist eine Krankheit, die unabhängig von Alter, Geschlecht, Rasse oder gesellschaftlichem Status auftritt. Jeder kann jederzeit an dieser schlimmen und mitunter auch tödlichen Krankheit leiden. Egal ob alt, jung, Mann oder Frau, reich oder arm – keiner ist immun.

Depression beschreibt ein chemisches Ungleichgewicht, bei dem die „Glücks-Substanz“ Dopamin nicht in ausreichenden Mengen produziert wird. Unbehandelt können Depressionen fatal sein. Die gute Nachricht hingegen ist, dass es auch Behandlungen gibt. Bildung ist dabei der erste Schritt im Kampf gegen die Krankheit …

1. Depression kann erblich bedingt sein

Forschungen haben gezeigt, dass die Depression in ganzen Familien vorkommt. Wenn ein nächster Verwandter von Ihnen – Elternteil oder Geschwister – an schweren Depressionen leidet oder litt, dann sind Sie 1,5 bis 3 Mal anfälliger selbst daran zu erkranken, als jemand ohne vergleichbare Familiengeschichte.

Falls ein naher Verwandter Suizid beging, ist Ihr Risiko dafür ebenfalls drei Mal so hoch. Einen Familienangehörigen zu haben, der depressiv ist, heißt nicht automatisch, dass man selbst an Depressionen erkrankt. Es bedeutet lediglich, dass man eine genetische Schwäche für die Entwicklung der Krankheit hat, die andere Menschen nicht haben.

2. Depression kann situationsbedingt auftreten

Situative Depressionen treten typischerweise als Ergebnis einer traumatischen Lebenserfahrung auf. Emotional schmerzhafte Situationen – wie z.B. Scheidung, Todesfall, finanzielle Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Wohnungsverlust oder gesellschaftlicher Abstieg – sind hier hauptsächlich verantwortlich zu machen.

Dabei wird auch von reaktiver Depression oder Anpassungs-Störung gesprochen und diese kommt oftmals nur kurzzeitig vor oder solange bis der situative Auslöser beseitigt ist. Wenn der Stress jedoch anhält oder chronisch wird, dann kann sich die Verstimmung auch zu einer schweren, langfristigen Depression entwickeln.

3. Depression ist Teil einer bipolaren Störung

Eine bipolare Erkrankung ist eine Stimmungsstörung, bei der sich Episoden extrem positiver Gefühle, als Manie bekannt, und großer Niedergeschlagenheit, als Depression bekannt, abwechseln. Schätzungen gehen davon aus, dass 20 Prozent der Patienten dieser Krankheit Selbstmord begehen.

Forschungen haben ergeben, dass 20 Prozent der jungen Menschen, die an Depression leiden, innerhalb von fünf Jahren nach einer schweren Depression eine bipolare Störung entwickeln. Von den Betroffenen erhalten nur 25 Prozent in den ersten drei Jahren nach Auftreten der Symptome eine akkurate Diagnose. Bei manchen kann es sogar bis zu zehn Jahren dauern, bis die Erkrankung erkannt wird.

4. Depressionen verzerren das Denken

Eines der alarmierendsten Symptome einer Depression sind kognitive Störungen. Depressionen beeinträchtigen den Stirnlappen des Hirns, der für ausführende Tätigkeiten wie logisches Denken und Problemlösen verantwortlich ist.

Wenn diese Hirngegend gestört wird, so werden die negativen Gedanken eines Menschen zu internalisierten Wahrheiten. Hoffnungs- und Hilflosigkeit nehmen überhand und unterdrücken Logik und Vernunft, was zu Kontrollverlust und selbstzerstörerischem Verhalten führt. Es sind vor allem diese kognitiven Verzerrungen, die Depressionen gefährlich und mitunter tödlich sein lassen.

5. Auch Kinder können Depressionen haben

Die Kindheit sollte eine Zeit der Freude sein, aber für manche der Kleinen ist es das genaue Gegenteil. Depressionen können Kinder befallen und tun dies auch. Besonders anfällig sind dabei diejenigen, die aus chaotischen Familien kommen, wo mindestens ein Elternteil an Depressionen oder einer Suchtkrankheit leidet.

Auch wenn es selten vorkommt, so sind Kinder auch in der Lage Suizid zu begehen. Jungen unter zehn Jahren tragen bis zum Jugendalter dabei das größte Risiko. Ab dem 16. Lebensjahr gelten Mädchen bei Depressionen und Selbstmord als anfälliger. Ungefähr 2,5 Prozent aller Kinder entwickeln eine Depression und haben auch als Erwachsene ein größeres Risiko.

6. Depression wird bei älteren Menschen gerne übersehen

Depressionen werden bei Menschen jenseits der 65 oft übersehen und nicht behandelt, da sie gemeinsam mit anderen Problemen des Älterwerdens auftreten. Dazu zählen u.a. Demenz, Diabetes, Bluthochdruck und Schwindsucht.

Suizidraten sind bei älteren Menschen höher als bei jeder anderen Altersgruppe und dennoch suchen nur 10 Prozent der Alten Hilfe. Studien zufolge sind Menschen zwischen 80 und 84 Jahren doppelt so selbstmordgefährdet wie andere Mitglieder der Gesellschaft. Auch das Stigma einer geistigen Krankheit spielt eine Rolle bei der Scheu älterer Menschen, um Beistand zu bitten.

7. Depression kann tödlich sein

Eine unbehandelte Depression kann tödlich enden und leider kommt dies viel zu oft vor. Der Suizid steht auf Platz Zehn der Todesursache in allen Altersgruppen. Statistiken zufolge stirbt in Deutschland alle 13 Minuten ein Mensch durch Selbstmord.

Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass jährlich etwa 25 Prozent aller Menschen über 18 Jahre an einer Depression leiden. Und nur die Hälfte all derer, die an einer schweren Depression leiden, begibt sich in Behandlung. Auf 25 Suizidversuche kommt im Schnitt ein erfolgreicher Selbstmord, bei älteren Menschen endet sogar jeder vierte Suizidversuch tödlich. Männer haben ein vier Mal so hohes Risiko durch Selbstmord umzukommen wie Frauen.

8. Depression und Ansteckungsgefahr

Forschungen zeigen, dass Leute, die mit depressiven Menschen engen Kontakt haben, selbst Gefahr laufen, Symptome einer Depression zu entwickeln. Eine Studie dazu wies Universitätsstudenten zufällig Zimmerkollegen zu.

Dabei wurde die These getestet, dass „kognitive Verletzlichkeit“ ansteckend ist. Die Ergebnisse gaben wieder, dass diejenigen Studenten, die mit kognitiv verletzlichen Studenten zusammenwohnten, selbst depressiv wurden.

9. Depression ist stigmatisiert

Man kann klar sagen, dass Menschen mit geistigen Erkrankungen negativen Stereotypen ausgesetzt sind. Bezeichnungen wie „verrückt“ und „durchgeknallt“ hört man regelmäßig. Die Depression wird dabei oft als Charakterfehler oder Faulheit gesehen.

Patienten, die depressiv sind, wird oft von Freunden oder Verwandten gesagt, sich „zusammenzureißen“. Auch wenn diese es meistens gut meinen, so führen Angst und Unwissen Außenstehender oft nur dazu, dass sich Krankheit und Stigma weiter verstärken. Eine schwedische Studie fand heraus, dass Stigmatisierung und Scham die Hauptgründe dafür waren, dass Erkrankte sich nicht an ihre Medikamentierung hielten.

10. Depression kann behandelt werden

Die gute Nachricht ist, dass Depressionen erfolgreich behandelt werden können – je schneller man damit anfängt, desto besser die Prognose und desto geringer die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. Depressive Menschen, die an einem emotionalen Trauma leiden, neigen dazu besser auf kognitive Therapie anzusprechen, während Patienten, deren Erkrankung biologisch bedingt ist, vorzugsweise mit einer Kombination aus Medikamenten und Therapie behandelt werden.

Kognitive Verhaltenstherapie – inklusive Meditation und Atemübungen – hat sich bei vielen Betroffenen als sehr hilfreich erwiesen. Eine effektive Behandlung sollte jedoch für jeden Patienten individuell geführt werden, um maximalen Erfolg zu erzielen.

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