Symptome des Asperger-Syndroms: Kennen Sie die Anzeichen

Das Asperger-Syndrom stellt eines der Störungsbilder des autistischen Spektrums dar. Als leichte Form von Autismus verursacht es normalerweise keine schweren geistigen Behinderungen und steht vor allem für unterentwickeltes Sozialverhalten, Defizite hinsichtlich nonverbaler Kommunikation und Tollpatschigkeit.

Anders als bei sonstigen Formen von Autismus haben Gehirnuntersuchungen bei Patienten kein übereinstimmendes Krankheitsbild ergeben. Wissenschaftler glauben, das Syndrom habe genetische Gründe, da es in manchen Familien gehäuft auftreten kann. Bis jetzt konnten ihm jedoch noch keine Gene zugeordnet werden.

Bekannt ist, dass bei einer geringen Zahl Betroffener Chemikalien und Medikamente, denen sie noch im Mutterleib ausgesetzt waren, für die Ausprägung verantwortlich ist. Es gibt viele Theorien zur Entstehung von Asperger-Syndrom, aber keine davon wurde bislang bewiesen. Derzeit laufen weltweit hunderte Studien um Ursache und Behandlung des Syndroms zu verstehen.

Hier sind 15 klassische Symptome des Asperger-Syndrom’s. Sollten Sie bei sich oder Nahestehenden den Verdacht auf das Syndrom haben, dann kontaktieren Sie ihren Arzt bezüglich möglicher Tests.

1. Unfähigkeit Freundschaften zu bilden

Kinder, die am Asperger-Syndrom leiden, können Schwierigkeiten haben Freunde zu finden. Grund dafür ist ihr unterentwickeltes Sozialverhalten. So kann es ihnen z.B. schwerfallen mit anderen Kindern zu sprechen oder an Gruppenaktivitäten teilzunehmen. Für betroffene Kinder kann dies eine große Herausforderung darstellen, da der Wunsch nach Kameradschaft oftmals dennoch besteht. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Kinder mit Asperger-Syndrom, die keinerlei Wunsch nach Freundschaften zeigen und sich lieber mit sich selbst beschäftigen.

2. Selektives Schweigen

Junge Leidtragende können sich dafür entscheiden, nur mit Personen zu reden, die sie kennen oder mit denen sie sich wohlfühlen und in Gegenwart anderer zu schweigen. Manchmal wird mit Fremden dabei grundsätzlich nicht gesprochen. In Extremfällen kann dieser Zustand jahrelang anhalten. Unmittelbare Familienangehörige sind davon meist nicht betroffen, da hier normalerweise genügend Vertrauen besteht. Selektives Schweigen findet hauptsächlich in Öffentlichkeit und Schule statt, wobei sich manche Kinder auch von klein an weigern können mit irgendjemand zu sprechen. Das Symptom kann sich von selbst legen oder mit einer Therapie behandelt werden.

3. Mangel an Einfühlungsvermögen

Die Unfähigkeit sich in Mitmenschen hineinzuversetzen oder einzufühlen ist ein häufiges Symptom des Syndroms. Mit dem Älterwerden können Betroffene zwar erlernen sich in bestimmten Situationen „richtig“ zu verhalten, verstehen werden sie die Reaktionen anderer jedoch nicht. Besonders im Kindesalter kann es hier zu Problemen kommen, da Betroffene ihre Altersgenossen oft unwissentlich beleidigen oder schlecht behandeln. Werden sie mit ihrem Verhalten konfrontiert, so beharren sie oftmals auf der Richtigkeit ihrer Handlungen und zeigen kein Verständnis für die Situation.

4. Unfähigkeit zum Augenkontakt oder zwanghafter Augenkontakt

Menschen mit Asperger-Syndrom können Schwierigkeiten damit haben, bei Gesprächen Augenkontakt zu halten. Manche glauben dies sei eine Folge mangelnden Selbstbewusstseins, während andere darauf hinweisen, es sei ihnen selbst sehr unangenehm, beinahe schmerzhaft. Außerdem gibt es die Theorie, dass Betroffene sich der Notwendigkeit von Augenkontakt für Kommunikation nicht bewusst sind. Das kann dazu führen, dass – um offener und zugänglicher zu erscheinen – Augenkontakt erzwungen wird, was Mitmenschen wiederum als noch unangenehmer empfinden.

5. „Aktiv, aber seltsam“

Die Vermutung, dass Menschen mit Asperger-Syndrom leidenschaftslos sind, ist vollkommen falsch. Ein häufig verwendeter Begriff für Erkrankte ist „aktiv, aber seltsam“. Denn sie können sozial sehr aktiv sein und mehrere gute Freundschaften bilden. Andere können hingegen versuchen sich mit vielen Leuten zu umgeben, wobei sie viele Bekanntschaften machen, jedoch keine tiefen Freundschaften bilden. Dies kann abhängig vom Einfühlungsvermögen des jeweiligen Betroffenen sein. Menschen mit Asperger-Syndrom zeigen vielleicht keine äußeren Anzeichen einer Erkrankung, sind aber einfach ein wenig anders.

6. Begrenzte Interessen

Erkrankte sind vielleicht schlecht in der Schule, aber das muss nicht heißen, sie hätten keine Interessen. Stattdessen sind ihre Interessen höchstwahrscheinlich stark begrenzt und reduzieren sich auf einzelne Tätigkeiten wie Videospiele, Modelbau, Zeichnen, etc. Diese Aktivitäten helfen ihnen sich auf einzelne Dinge zu konzentrieren, was für sie sehr angenehm ist. Sie davon zu trennen, kann sie in große Bedrängnis bringen. Dasselbe gilt für gescheiterte Projekte. Die Förderung dieser begrenzten Interessen ist für die emotionale und mentale Unterstützung des Betroffenen wichtig.

7.Routine

Die Einhaltung der gleichen Abläufe kann sehr wichtig sein für Menschen, die am Asperger-Syndrom leiden. Bei Planänderungen können augenblicklich Not und Nervosität einsetzen, neue Situationen jagen ihnen manchmal Angst ein. Eine Routine kann ihnen dabei helfen ihre Anspannung unter Kontrolle zu bringen. Glücklicherweise läuft vieles in unserer Welt mittels Vorschriften und Terminen. Sollten Sie ein Kind mit Asperger-Syndrom haben, kann es sehr hilfreich sein, ihm einen strikten Terminplan zu verpassen und somit ein paar der Symptome zu lindern.

8. Wortwörtliche Interpretationen

Ein weiteres Symptom bei Asperger-Syndrom ist die wortwörtliche Interpretation von Gesagtem. Der Betroffene begreift unter Umständen keinen Sarkasmus und nimmt die Kommentare anderer für voll. Die Annahme Erkrankte verstünden keinen Humor ist jedoch falsch. Sie können sogar zu den witzigsten Menschen gehören, denen Sie je begegnet sind. Wenn sie ihre Fehler bei der ein oder anderen wortwörtlichen Interpretation realisieren, sind sie in der Lage die wahre Bedeutung zu verstehen, auch wenn sie hin und wieder auf Erklärungen angewiesen sind.

9. Exzellente Mustererkennung

Eines der positiven Symptome bei Asperger-Syndrom ist die herausragende Fähigkeit Muster zu erkennen. Da die Gehirne der Betroffenen andauernd versuchen der Umgebung Sinn zu geben, machen sich Unregelmäßigkeiten sehr schnell bemerkbar. Diese Begabung kann sich bereits in der Kindheit bemerkbar machen, da sich in den ersten Schuljahren die Fähigkeit des Gehirns zur Mustererkennung entwickelt. Während Kinder mit Asperger-Syndrom vielleicht von der Schulumgebung überfordert sind und mit ihren Noten kämpfen, können sich Fächer bei denen Muster dominieren (wie z.B. Mathematik und Kunst) als positiv auswirken. Dieses Die Förderung dieser natürlichen Begabung ist sehr zu empfehlen.

10. Schlechte motorische Fähigkeiten

Manche Menschen mit Asperger-Syndrom haben Schwierigkeiten, ihre grob- und feinmotorischen Fähigkeiten zu kontrollieren. Die motorischen Probleme können sich durch eine schlechte Handschrift äußern, die vermutlich durch eine schlechte Hand-Augen-Koordination verursacht wird.

Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, eines der genannten Symptome aufweist, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Obwohl diese Symptome nicht zwangsläufig bedeuten, dass die betreffende Person das Asperger-Syndrom hat, ist es immer am besten, den Rat eines Arztes einzuholen.

11. Schwierigkeiten beim Verstehen von sozialen Signalen

Wie bereits erwähnt, können Menschen mit Asperger-Syndrom sozial unbeholfen sein, oft aufgrund ihrer Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen. Ein weiterer Grund, warum sie in solchen Situationen Schwierigkeiten haben können, ist, dass sie Schwierigkeiten haben, die nonverbalen sozialen Signale anderer zu erkennen oder zu verstehen.

Zu diesen sozialen Signalen gehören beispielsweise Körpersprache, Gestik und Mimik. Zum Beispiel sagt WebMD, dass die Person „vielleicht nicht erkennt, dass jemand wütend ist, wenn er die Arme verschränkt und einen finsteren Blick wirft.“

12. Sich wiederholende motorische Verhaltensweisen

Zusammen mit einer sehr engen Auswahl an Interessen und dem Bedürfnis nach Routine, können Personen mit Asperger-Syndrom eingeschränkte und sich wiederholende Verhaltensmuster in körperlicher Form zeigen. Am auffälligsten ist, dass sie sich wiederholende motorische Manierismen zeigen können.

Diese können „Arm- oder Handschlagen, Fingerschnipsen, Schaukeln, Springen, Drehen oder Wirbeln, Kopfschlagen und komplexe Körperbewegungen“ beinhalten, sagt The National Autistic Society. Die Quelle fügt hinzu, dass diese sich wiederholenden Bewegungen auch ein Objekt einbeziehen können, „wie das Schnippen eines Gummibandes oder das Zwirbeln eines Stücks Schnur“, oder die Sinne, „wie das wiederholte Fühlen einer bestimmten Textur“.

13. Auffällige Sprach- und Sprechmuster

Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Kommunikationssymptomen, die mit dem Asperger-Syndrom in Verbindung gebracht werden. Das bereits erwähnte wörtliche Übernehmen von Gesagtem ist nur eines davon. Ein weiteres ist der übliche Sprachstil, der formal und geskriptet, fast roboterhaft klingen kann.

Menschen mit diesem Syndrom können auch komplexe Wörter oder Phrasen verwenden, auch wenn sie nicht ganz verstehen, was sie bedeuten. eMedicineHealth.com fügt hinzu, dass sie auch Probleme haben können, „Lautstärke, Intonation, Tonfall, Geschwindigkeit und Rhythmus der Sprache“ zu kontrollieren. Und wenn sie sich an Gesprächen beteiligen, wissen sie möglicherweise nicht, wann sie an der Reihe sind, was dazu führt, dass sie andere häufig unterbrechen.

14. Verstärkte Empfindlichkeit

Einige Personen mit Asperger-Syndrom können auch eine erhöhte sensorische Empfindlichkeit aufweisen. Autism-Help.org erklärt, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass „das Nervensystem Schwierigkeiten hat, sensorische Informationen zu empfangen, zu filtern, zu organisieren und zu nutzen.“

Als Ergebnis können sie Empfindlichkeit oder Überstimulation erleben, wenn sie Dingen wie lauten Geräuschen, hellen Lichtern und bestimmten Texturen oder Geschmäckern ausgesetzt sind. Zusätzlich sagt die Quelle, dass ein Kind mit Asperger „auch nicht auf Empfindungen reagieren kann, die seine Eltern als unangenehm empfinden, wie extreme Hitze, Kälte oder Schmerzen.“ Für Eltern, die nicht am Asperger-Syndrom erkrankt sind, können solche Empfindlichkeiten schwer zu verstehen sein und als Fehlverhalten missverstanden werden.

15. Schwierigkeiten bei der Einschätzung des persönlichen Raums

Das Einschätzen des persönlichen Raums ist eine weitere Herausforderung, mit der Menschen mit Asperger-Syndrom häufig konfrontiert sind. Zum Beispiel sagt das Interactive Autism Network: „Sie können zu nahe an anderen stehen und zwischen Menschen gehen, die sich unterhalten.“

Sie können auch sehr empfindlich sein, was ihren eigenen persönlichen Raum angeht. Sie neigen dazu, mehr davon zu brauchen als der Durchschnittsmensch und können intolerant sein, wenn andere in diesen Raum eindringen – z. B. wenn Menschen zu nahe bei ihnen sitzen, sie anrempeln oder versuchen, sie zu umarmen.

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