Geistige Gesundheit

10 Risikofaktoren für Demenz

Demenz bezeichnet eine Gruppe von Symptomen, die Gedächtnis, Denkvermögen und soziale Fähigkeiten so stark beeinträchtigen, dass das tägliche Leben dadurch behindert wird. Sie ist keine spezielle Krankheit, sondern eine Kombination aus Symptomen, die durch mehrere Krankheiten und Probleme hervorgerufen wird. Kein Test kann feststellen, ob eine Person an Demenz leidet. Es gibt keine Heilung und keine Behandlung kann das Fortschreiten aufhalten. Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz und für circa 60 bis 80 Prozent aller Fälle verantwortlich. Gefäß-Demenz, bislang bekannt als Schlaganfallsdemenz ist der zweithäufigste Typ und macht zehn Prozent der Fälle aus.

Die zehn Risikofaktoren für Demenz sind …

1. Fortgeschrittenes Alter

Der Hauptrisikofaktor für Demenz ist fortgeschrittenes Alter und das Risiko nimmt besonders ab dem 65. Lebensjahr stark zu. Medizinische Berichte belegen, dass die Wahrscheinlichkeit Alzheimer zu entwickeln sich alle fünf Jahre nach dem 65. Lebensjahr verdoppelt. Durch die stetig steigende Lebenserwartung in Ländern der Ersten Welt nimmt daher auch die Anzahl Demenzkranker jedes Jahr zu.

Ab einem Alter von 85 Jahren erreicht das Alzheimer-Risiko nahezu 90 Prozent. Trotz dieser beachtlichen Zahlen ist der Glaube, dass Alzheimer normaler Teil des Alterns sei, falsch. Demenz gehört nicht einfach so zum Älterwerden und manche Menschen können bereits in relativ jungen Jahren daran leiden.

2. Genetische Faktoren

Personen mit einem nahen Verwandten (Elternteil, Geschwister oder Kind), bei dem Alzheimer diagnostiziert wurde, sind sehr viel anfänglicher für die Erkrankung. Das Risiko nimmt weiterhin zu, wenn mehr als ein Familienmitglied daran leidet. Trotz dieser Tatsache entwickeln viele Menschen mit einer Familiengeschichte mit Demenz die Störung nicht und viele Menschen ohne Vorfälle in der Familie schon.

Genetische Tests sind für Alzheimer verfügbar. Das Gen mit der stärksten Korrelation mit Alzheimer ist Apolipoprotein E4, oder ApoE4. Menschen, die eine Kopie dieses Gens erben, sind zwei bis vier Mal so anfällig für eine Demenz durch Alzheimer. Personen, die zwei Kopien erben, haben ein zehnfaches Risiko, müssen Demenz aber dennoch nicht zwangsläufig entwickeln. Das Erben des Gens kann auch mit dem Einsetzen von Demenz in relativ jungem Alter in Zusammenhang gebracht werden. Regelmäßige genetische Tests sind nicht empfohlen und werden normalerweise als Teil von Forschungsstudien gemacht.

3. Weibliches Geschlecht

Das Geschlecht scheint eine Rolle bei der Entwicklung von Demenz zu spielen. Mehrere klinische Studien weisen darauf hin, dass Frauen ein höheres Risiko für Demenz haben als Männer. Eine holländische Studie zeigte, dass ab dem 90. Lebensjahr das Einsetzen von Demenz – besonders Demenz aufgrund von Alzheimer – bei Frauen häufiger auftritt, als bei Männern. Demografisch gesehen, ist diese Altersgruppe die am stärksten wachsende. Frauen machen drei Viertel der Menschen über 90 aus. Der Befund ist unter Umständen auf den schützenden Effekt von Östrogen bei Frauen vor der Menopause zurückzuführen.

Eine weitere Studie fand heraus, dass Frauen mit einer Kopie des Gens ApoE4 ein höheres Alzheimerrisiko haben, als Männer mit der gleichen genetischen Vorbelastung. Alzheimer scheint außerdem bei Frauen andere Folgen für das Verhalten zu haben, als bei Männern. Frauen mit Alzheimer neigen dazu zurückgezogener und emotional instabiler zu werden, während Männer mit zunehmender Krankheit Aggressionen zeigen.

4. Rauchen

Forscher in Finnland fanden heraus, dass Menschen, die in ihren mittleren Jahren (zwischen 50 und 60) viel rauchten (mehr als zwei Schachteln am Tag), ihr Demenzrisiko mehr als verdoppelten. Rauchen ist bereits ein wohlbekannter Risikofaktor für Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Krebs und Schlaganfälle. In der finnischen Studie wurden circa 25 Prozent der Teilnehmer 23 Jahre nach Abschluss der Untersuchung mit Demenz diagnostiziert.

In der gleichen Studie kam heraus, dass ehemalige Raucher und Menschen, die täglich weniger als eine halbe Schachteln Zigaretten rauchen, kein erhöhtes Risiko hatten, Demenz zu entwickeln. Eine weitere Untersuchung aus Australien kam zu dem Schluss, dass ältere Raucher mit größerer Wahrscheinlichkeit an Demenz und Geistesschwäche leiden. Rauchen erhöht das Risiko einer Gefäßdemenz vielleicht aufgrund seiner Rolle bei Schlaganfällen. Man geht davon aus, dass der oxidative Stress und die Entzündungen, die mit Rauchen einhergehen, einen Grund für die Entwicklung von Alzheimer darstellen.

5. Exzessiver Alkoholkonsum

Starker Alkoholgenuss wird ebenfalls als möglicher Risikofaktor für kognitive Beeinträchtigung und Demenz gehandelt. Eine chinesische Studie kam zu dem Ergebnis, dass exzessiver Alkoholkonsum zu einem erhöhten Demenzrisiko führt. In der gleichen Studie wurde entdeckt, dass leichter bis moderater Alkoholkonsum ein deutlich geringeres Demenzrisiko mit sich bringt, als gar kein Alkoholkonsum. In der Fachliteratur wird dies als U-förmiger Zusammenhang bezeichnet.

Eine britische Studie kam ebenfalls zu einem U-förmigen Zusammenhang zwischen Alkohol und dem Risiko an Demenz zu leiden. Mit anderen Worten: Leichter bis moderater Alkoholkonsum kann eine schützende Wirkung im Vergleich zu totaler Abstinenz haben, während starkes Trinken das Demenzrisiko ansteigen lässt. Die dabei beobachteten Effekte scheinen unabhängig von der Art des Alkohols aufzutreten. In der gleichen Studie zeigte sich auch, dass das Risiko bei Menschen mit ApoE4-Gen mit zunehmendem Alkoholkonsum anstieg. ApoE4 ist das Gen, das den stärksten Zusammenhang mit Demenz aufweist.

6. Bluthochdruck

Hoher Blutdruck ist ein mächtiger Risikofaktor für Demenz – sowohl bei Gefäßdemenz als auch Alzheimer. Langfristiger hoher Blutdruck erhöht das Risiko beschädigter kleiner Arterien im Gehirn, was den Blutfluss behindern und somit zu Schwund von Gehirnzellen führen kann – Mechanismen, die kognitive Schäden und Demenz verursachen. Bei Menschen unter 60 spricht man ab 140/90 mm Hg von hohem Blutdruck. Bei Personen über 60 gelten 150/90 mm Hg als gerade noch unproblematisch. Der Blutdruck setzt sich aus dem systolischen Blutdruck (die erste Zahl) und diastolischen Blutdruck zusammen (die zweite Zahl).

Eine Langfriststudie (20 Jahre) kam zu dem Ergebnis, dass hoher diastolischer Druck im Alter von 50 Jahren mit schwächerer kognitiver Leistung ab dem 70. Lebensjahr zusammenhängt. In der gleichen Studie verdoppelte sich das Risiko von Demenz, wenn sich der systolische Blutdruck auf oder über dem Wert 140/160 mm Hg befand.

7. Diabetes

Diabetes Typ II – ehemals bekannt als Erwachsenen/Diabetes – gilt schon seit langem als Risikofaktoren für Schlaganfälle, die der Grund für die Entwicklung von Gefäßdemenz sind. Eine holländische Studie kam zu dem Schluss, dass Menschen, die an Diabetes litten, ein erhöhtes Risiko für Demenz hatten – inklusive Alzheimer. Der Zusammenhang war am stärksten bei denjenigen, die Insulin als Teil ihrer Diabetesbehandlung erhielten

Untersuchungen der Hirne von Diabetespatienten offenbarten ein vermehrtes Vorkommen des Proteins Beta-Amyloid, das in den Plaques und Neurofibrillen von Alzheimer vorkommt. Exzessives Beta-Amyloid soll oxidativen Stress verursachen, der zu zellularen Hirnschäden führt. Eine Studie fand heraus, dass Menschen mit hohem Blutzucker ein größeres Demenzrisiko aufweisen, da diese sowohl einen beeinträchtigten Nüchternglukosewert als auch eine niedrigere Glukosetoleranz besaßen.

8. Atherosklerose

Atherosklerose bezeichnet Ablagerungen von Fett, Cholesterin und anderen Substanzen an der Innenwand von Arterien, was seit langem als Risikofaktor für Herzerkrankungen gilt. Der Blutfluss zum Gehirn kann dadurch behindert werden und zu Schlaganfällen führen, die wiederum Gefäßdemenz verursachen. Ein hoher Spiegel an Low Density Lipoprotein (LDL), auch „schlechtes“ Cholesterin genannt ist oft Ursache von Atherosklerose.

Eine holländische Studie kam zu dem Ergebnis, dass Atherosklerose, vornehmlich Karotisatherosklerose, zu einem erhöhten Demenzrisiko führt. Die Karotisarterien verlaufen im Hals entlang der Luftröhre. Eine US-amerikanische Untersuchung fand heraus, dass intrakranielle Atherosklerose – jedoch nicht im Herzen oder der Aorta – das Risiko von Demenz deutlich erhöhte. Intrakranielle Atherosklerose tritt in den Hirnarterien auf. Damit zählt auch die intrakranielle Atherosklerose zu einem wichtigen Risikofaktor für Demenz.

9. Fettleibigkeit

Fettleibigkeit wird durch einen Body Mass Index (BMI) von größer als 30 kg/m² definiert. Der BMI ist eine indirekte Ermittlung des Körperfetts basierend auf Gewicht (in Kilogramm) und Körpergröße (in Meter). Der Index wird schon lange benutzt, um das Risiko chronischer Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzbeschwerden zu ermitteln. Man geht davon aus, dass 50 Prozent der Erwachsenen fettleibig sind. Mediziner gehen heute davon aus, dass es einem Zusammenhang zwischen einem hohen BMI und Demenz gibt.

Eine Studie der Harvard Medical School ermittelte, dass ein hoher BMI als unabhängiger Risikofaktor betrachtet werden kann. Eine weitere Studie aus Schweden befand, dass Fettleibigkeit in den mittleren Lebensjahren zu einem höheren Demenzrisiko, einschließlich Alzheimer, im späteren Leben führen kann. Zu guter Letzt kam eine Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Fettleibigkeit im mittleren Lebensabschnitt – unabhängig von Diabetes und anderen Herzgefäßerkrankungen – das Risiko von Demenz erhöht.

10. Erhöhter Homocysteinspiegel

Homocystein ist eine Aminosäure. Aminosäuren sind die Bausteine von Proteinen. Erhöhte Homocysteinlevel im Blut werden mit Herzkrankheiten, Schlaganfällen und abnormalen Blutgerinnseln in Verbindung gebracht. Blutgerinnsel können zu lebensgefährlichen Erkrankungen wie Tiefvenenthrombose und Lungenembolie führen. Ein Homocysteinspiegel über 15 Micromol/Liter wird als hoch betrachtet. Optimale Homocysteinlevel befinden sich unter 10 bis 12 Micromol/Liter. Man geht davon aus, dass ein Mangel an Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure das Homocystein ansteigen lässt.

Forscher vermuten, dass hohe Homocysteinspiegel unter Umständen eine Rolle bei Demenz spielen. Eine medizinische Studie fand heraus, dass erhöhtes Homocystein das Risiko an Alzheimer zu erkranken beinahe verdoppelte. Kürzlich kam eine Untersuchung der Thematik zu dem Ergebnis, dass eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen Hirnatrophie entgegenwirkt und somit das Fortschreiten von Alzheimer und Geistesschwäche verlangsamte.

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